Originelle Ideen gegen Food Waste
Täglich werden in der Schweiz über fünf Millionen Tonnen geniessbare Lebensmittel weggeworfen. Das muss nicht sein! Deshalb sagen jetzt eine Reihe innovativer Projekte dem Food Waste den Kampf an.
Das Bier ist bernsteinfarben und würzig, für die besondere Geschmacksnote sorgt die Verzuckerung an der Brotkruste. Brotkruste? Tatsächlich, aus Altbrot kann man Bier brauen und damit einen wertvollen Beitrag gegen Foodwaste leisten. Dominic Meyerhans, Jungunternehmer aus dem Kanton Thurgau, hat sein «Bread Beer» diesen Frühling auf den Markt gebracht. Für die Herstellung sammelt er Brot aus Restbeständen von Bäckereien – und davon gibt es genug: In Schweizer Backstuben und Bäckereien fallen im Schnitt bis zu zehn Prozent der Tagesproduktion als unverkauftes Brot/Backwaren an, welches sinnvoll weiter verwendet wird. Das Altbrot wird getrocknet und gemahlen und im Braukessel mit frischem Quellwasser, Hefe, Hopfen und Gerstenmalz vermischt und zu Bier gebraut.
© Fábio Alves
Grosse Aktivitäten der Verarbeiter
Die Verarbeitungsbetriebe unternehmen seit langem und kontinuierlich Anstrengungen zur Verringerung von Food Waste. Dazu zählt etwa die erheblich verbesserte Haltbarkeit von Lebensmitteln, welche sowohl in den Läden als auch zu Hause Food Waste eindämmt. Der Wille zur weiteren Erforschung möglichst natürlich geförderter Haltbarkeit ist bei der Lebensmittelbranche ungebrochen und sie investiert permanent in die entsprechenden Produktionstechnologien. Im Bereich Getreide unternimmt die Branche grösste Anstrengungen, bisherige Nebenprodukte bei der Herstellung von Lebensmitteln in der Lebensmittelkette zu halten und weiter zu veredeln oder diese zumindest indirekt als Futtermittel (Feed) in der Nahrungsmittelkette zu erhalten.
Mit einer Community gegen Food Waste
Eine andere Möglichkeit, um mit Altbrot ins Geschäft zu kommen, hat der Verein «Ässbar» mit seinen gleichnamigen Filialen in verschiedenen Schweizer Städten gefunden. Sie «retten» Backwaren und Patisserie vom Vortag aus den Bäckereien und verkaufen diese dann «frisch von gestern» zu einem vergünstigten Preis. Nach Ladenschluss der Ässbar können Flüchtlinge aus Asylzentren, WGs oder Grossfamilien die Backwaren kostenlos abholen. Gemeinsam mit einer lokalen Community arbeitet auch der Verein «Restessbar». Lebensmittel, die aufgrund des Ablaufdatums nicht mehr verkauft werden können, stehen in öffentlichen Kühlschränken zum Abholen bereit – gratis. Mittlerweile gibt es an rund zehn Standorten in der Schweiz Kühlschränke der «Restessbar» und eine ganze Reihe weiterer ähnlicher Kühlschrank-Projekte. Die lokalen Teams bestehen aus Freiwilligen, die mit Velo und Anhänger die Lebensmittel bei den jeweiligen Quartierläden abholen und damit die Kühlschränke befüllen. Ebenfalls mit Freiwilligen-Helfern organisiert ist die Organisation «Tischlein deck dich», die in der ganzen Schweiz überschüssige, einwandfreie Lebensmittel einsammelt und an armutsbetroffene Menschen verteilt.
Grossverteiler begrüssen das Engagement
Egal ob Migros, Coop oder Denner: Auch Schweizer Grossverteiler leisten einen relevanten Beitrag für die verantwortungsvolle Nutzung von Energie und Ressourcen. Seit mehreren Jahren unterstützt Migros im Rahmen des Projekts “Foodbridge” die beiden Organisationen «Tischlein deck dich» und «Schweizer Tafel» – mit Nahrungsmittelspenden, aber auch finanziell. Ziel der Organisationen ist es, die Nahrungsmittelverschwendung in der Schweiz zu reduzieren und Lebensmittel mit Hilfe freiwilliger Mitarbeiter an Bedürftige zu verteilen. Die Zusammenarbeit zugunsten von Lebensmittelabgaben findet auch mit weiteren, teilweise regionalen, Organisationen statt, wie Caritas, Partage und anderen lokalen Sozialwerken. 2016 verteilte die Schweizer Tafel täglich 16 Tonnen überschüssige, einwandfreie Lebensmittel in zwölf Regionen der Schweiz an soziale Institutionen und armutsbetroffene Menschen. Der klare Grundsatz lautet: Essen verteilen anstatt wegwerfen! Und dazu leisten insbesondere die Grossverteiler einen wesentlichen Beitrag.
Digitale Lösungen gegen Food Waste
Gegen die Verschwendung von Lebensmitteln soll auch die Anwendung «Too Good To Go» helfen. Das skandinavische Konzept funktioniert auch in der Schweiz: Per Smartphone-Klick können Nutzer in ihrer Umgebung Take-Aways und Restaurants finden, die vor Ladenschluss noch übriges Essen zu vergünstigten Preisen abgeben. In den grösseren Schweizer Städten wurde so schon manche Mahlzeit vor der Tonne gerettet. Der Filialleiter vom Sushi-Restaurant Negishi am Bahnhof Oerlikon erklärt: “Sämtliche Menüs, welche bis Ladenschluss nicht verkauft werden, muss ich gebührenpflichtig entsorgen. «Too Good to Go» ist also für beide Seiten vorteilhaft: Konsument und Anbieter”. Ebenfalls digital organisiert ist die Zürcher Obstbörse «Tauschobst». Leute mit Garten, die ihre Ernte nicht vollständig selbst verbrauchen, können Früchte, Nüsse und Beeren mittels Onlineformular zum Tausch anbieten. Als Gegenleistung erhalten sie beispielsweise einen Korb frischer Äpfel, ein Geheimrezept für die beste Früchtewähe oder das Angebot, im Garten beim Unkraut jäten zu helfen. So können nicht nur Freundschaften zwischen Hobby-Gärtnern entstehen, es landet auch möglichst wenig geniessbares Obst auf dem Kompost.
Verständlich, dass bei diesen innovativen Projektideen die Lust aufkommt, auch selber gegen Food Waste aktiv zu werden. Wir haben deshalb in unserem nächsten Artikel Tipps und Tricks zusammengestellt, mit denen Sie im Alltag Food Waste vermeiden können – leckere Rezepte inbegriffen!

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