Artikel

Die Krone der Bäckerschaft

Hinter den Kulissen der Bäckerkrone

Die Bäckerkrone zeichnet seit 2012 herausragende Betriebe aus. Nicole Emmenegger, Jury-Präsidentin, gibt Einblick in die Auswahl, räumt mit Mythen auf und verrät, was eine Bäckerei zur Königin macht.

Marlies Keck

Frau Emmenegger, was ist die Bäckerkrone – und wofür steht sie?
Bei der Bäckerkrone geht es um Innovation, Leidenschaft und Mut zu neuen Ideen. Wir vom Schweizerischen Hefeverband wollten ein Zeichen setzen für Qualität, Kreativität und Zukunftsfähigkeit der Branche und haben darum vor 14 Jahren den Preis ins Leben gerufen. Seit dem Jahr 2012 verleihen wir die Bäckerkrone zusammen mit dem SBC. Um die Bäckerkrone zu gewinnen, muss uns die Idee überzeugen – sei es durch spezielle Produktkreationen, innovative Unternehmensentwicklung, ausserordentliche Mitarbeiterförderung oder nachhaltiges Umweltengagement. Wir suchen einen Leuchtturm, der andere Betriebe inspiriert.

Nicole Emmenegger
Nicole Emmenegger, Geschäftsführerin des Schweizerischen Hefeverbands und Jury-Präsidentin der Bäckerkrone. © SHV

Was haben die bisherigen Gewinner:innen gemeinsam?
Leidenschaft. Ob innovativer Betrieb oder Traditionsbäckerei, grosse Firma oder kleines Unternehmen – sie alle brennen fürs Handwerk. Nebst der Leidenschaft überzeugen uns die Authentizität und der Mut, den eigenen Weg zu gehen, auch wenn er unkonventionell ist. Die Ausbildung hat zudem stark an Bedeutung gewonnen. Wer heute nicht in die Lernenden investiert, hat morgen keine Zukunft.

Die Bäckerkrone wird seit 2012 verliehen. Was hat sich in dieser Zeit verändert – und was bleibt konstant?
Die Digitalisierung ist heute allgegenwärtig, auch die Kommunikation hat massiv an Bedeutung gewonnen. Zudem ist die Professionalität in der Präsentation enorm gestiegen – früher stand das Produkt allein im Fokus, heute zählt das gesamte Erlebnis. Social Media ist fast unverzichtbar für die Kundenbindung, Schliesslich ist Nachhaltigkeit vom regionalen Getreide bis zum Food Waste Management wichtiger als früher.
Aber: Gutes Handwerk bleibt gutes Handwerk. Der Rohstoff und die manuelle Arbeit sind zentral. Der Duft von frischgebackenem Brot lässt sich durch keine KI ersetzen.

Wie läuft die Auswahl ab?
Betriebe können sich selbst melden oder werden von ihrer Kundschaft online nominiert. Die Jury – drei Vertreter des SHV und drei des SBC – wählt dann drei Finalisten aus. Diese besuchen wir vor Ort: Wie ist die Stimmung im Team? Wie werden die Produkte präsentiert? Was macht der Betrieb besonders gut? In der zweiten Jurysitzung entscheiden wir uns für den Sieger oder die Siegerin. Wir haben eigentlich immer die Qual der Wahl und führen intensive, oft hitzige Diskussionen. Am Ende ist es eine Bauchentscheidung.

Jury
Bäckerkrone-Jury 2025 mit Gewinner Christophe Ackermann (Mitte). Nicole Emmenegger: vierte von links. © SBC

Was macht den Unterschied zwischen sehr gut und bäckerkronenwürdig?
Wir suchen das «gewisse Etwas», das sehr schwer zu beschreiben ist. Manchmal ist es ein besonders innovatives Produkt, manchmal die Lehrlingsausbildung, manchmal ein wirtschaftlicher Erfolg. Wenn es sehr schwierig ist, überlegen wir, ob der Betrieb ein Leuchtturm für die Branche sein kann – ob er andere inspirieren kann, auch wenn sein Konzept nicht eins zu eins nachgeahmt werden kann.

Haben kleine und grosse Betriebe die gleichen Chancen?
Ja, definitiv! Die Bäckerkrone ist kein Grössenwettbewerb. Ein Einmannbetrieb kann genauso gewinnen wie ein Unternehmen mit mehreren Filialen. Wir versuchen ganz bewusst, verschiedene Betriebe zu berücksichtigen, um die Vielfältigkeit zu zeigen. Kleine Betriebe können beispielsweise bei der Nähe zur Kundschaft überzeugen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Jedes Jahr befürchte ich, dass wir keine Kandidierenden finden, dass quasi schon jede Art von Betrieb ausgezeichnet wurde. Und jedes Jahr werde ich eines Besseren belehrt. Darum habe ich keine inhaltlichen Wünsche, sondern lasse mich wahnsinnig gerne überraschen.
Was ich mir wünschen würde: Dass sich Betriebe mehr trauen, sich zu bewerben. Viele halten den eigenen Betrieb nicht für gut genug. Denen möchte ich zurufen: Packt eure Chancen und teilt uns mit, was ihr könnt!

Zum Schluss: Was macht Sie stolz an der Schweizer Bäckerschaft?
Es gibt viele Herausforderungen – steigende Kosten, Fachkräftemangel, Betriebe, die schliessen müssen. Ich finde es enorm schön, dass wir mit der Bäckerkrone einen Gegenpunkt setzen können, indem wir die schönen Geschichten erzählen. Und besonders erfreulich: Diese Geschichten gehen offenbar nicht aus. Die Übergabe der Bäckerkrone ist jedes Mal ein Herzmoment.

Die Bäckerkrone

Die Bäckerkrone wird seit 2012 vom Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verband (SBC) und dem Schweizerischen Hefeverband (SHV) verliehen. Mit 15'000 Franken dotiert, zeichnet sie Betriebe aus, die durch Innovation, Leidenschaft und Engagement überzeugen. Die Verleihung der Bäckerkrone 2026 findet am SBC-Kongress im Juni statt. https://swissbaker.ch/kongress/