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Geschichte des Weizenanbaus

Von früher bis heute

Was 3000 v. Chr. mit primitivstem Werkzeug begann, ist heute ein hochprofessionalisiertes Gewerbe.

Schweizer Brot

Getreideanbau seit Jahrtausenden

Bereits in der Altsteinzeit (bis etwa 10 000 v. Chr.) sammelten die Menschen Gräser, deren Körner oder Samen ihnen als Nahrung dienten. In der Jungsteinzeit begannen sie, Pflanzen anzubauen, wurden sesshaft und betrieben Ackerbau. Archäologische Funde haben ergeben, dass Getreide (Weizen, Gerste, Roggen) bereits vor ungefähr 12 000 Jahren in den Randgebieten des heutigen Irak (Mesopotamien) gesät und geerntet wurde, in Mitteleuropa erst vor etwa 6000 Jahren. Von Ägypten über Babylon, Griechenland und Rom bis zum Abendland wurde der Getreideanbau wichtig.

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Wildpflanzen – Vorläufer unseres heutigen Getreides

Die vorderasiatischen Wildpflanzen (Wildemmer, wilde Gerste, Wildeinkorn) sind die Vorläufer unserer heutigen Getreidearten. Hirse, Gersten und Weizen, Roggen, Spelz (Korn) und Hafer stammen aus dem Norden und wurden etwa 2000 v. Chr. im Zuge indogermanischer Völkerwanderungen über Südwestasien nach Mitteleuropa gebracht. Der Mais, die einzige amerikanische Getreideart, wurde in Europa erst im 16. Jahrhundert nach der Entdeckung Amerikas bekannt.

Der Pflug – schon um 3000 v. Chr. in Gebrauch

Heute, da der Landwirt mit dem Traktor pflügt, denken wir kaum mehr nach, was für eine wichtige Erfindung der Pflug für die Menschheit einmal bedeutete. Am Anfang wurde er von Menschen gezogen, dann von Tieren. Früher unterschied man Pflüge nach ihrer Bauart (Stabpflug, Räderpflug), heute nach ihrer Funktion (Hakenpflug, Kehrpflug).

Alter Aargauerpflug SursilvanerPflug Getreidesense mit Sammler Dreschflegel
Aargauer Pflug (Mitte 19. Jh.) Sursilvaner Pflug (Kanton Graubünden, 19. Jh.) Getreidesense mit Sammler (in der Schweiz seit 2. Hälfte 19. Jh.) und Dreschflegel (bis 20. Jh.)

Beschwerliche Getreideernte

Das Getreide musste früher mit Sicheln und Sensen geschnitten, dann mit Rechen angehäufelt und von Hand oder mit Antraggabeln zu Garben getragen werden. Mit gedrehten Bändern aus Stroh, später aus Hanf oder Pappe, wurden die Garben gebunden und zum Trocknen auf den Feldern aufgestellt (Puppen) oder in Berggebieten an hohen Gestellen aufgehängt (Histen). Das getrocknete Getreide wurde mit Dreschflegeln auf der Tenne geschlagen und das Korn von der Spreu durch Aufwerfen mit der Wanne im Wind getrennt. Später gab es dafür Windfegen (Röllen). Die früher harte Arbeit des Mähens und Dreschens ist immer leichter und rascher geworden. Die Ernte von Getreide ist heute längst eine Angelegenheit der Technik, dennoch gilt der Mähdrescher seit 1950 als Sinnbild des Getreideanbaus.

Geschichte des Getreidebaus im Überblick

Etwa 3000 v.Chr.

Beginn des Getreideanbaus in Europa. Ernte mit primitivem Werkzeug.

Etwa 2000 v.Chr.

Die Sichel kommt auf der Iberischen Halbinsel auf. Griff und Schaft bestehen aus Holz; eine Reihe kleiner Feuersteine wird als Schneidewerkzeug in den Schaft eingesetzt.

Etwa 1500 v. Chr.

Sicheln werden aus einem Bronze-Gussstück hergestellt, teilweise mit Holzgriff.

Etwa 900 v.Chr.

Bronze wird bei der Herstellung von Sicheln durch Eisen ersetzt.

Etwa 1600 n.Chr.

Die Sense wird beliebt und erlaubt eine grössere Mähleistung.

1799 bis 1826

Erste Mähwerkkonstruktionen.

1852

Ein Rad, an dem mehrere Sensen montiert sind, wird konstruiert (Mähkreisel).

1853

Der Vorläufer des kombinierten Grasmähers mit Getreideablage wird konstruiert.

1857

Etwa 23 000 Getreidemähmaschinen sind in den USA im Einsatz.

Etwa 1860 bis 1900

Der Mähdrescher als «Erntefabrik» gewinnt in den USA und Australien an Bedeutung. Als Zugkräfte werden 25 bis 30 Pferde, später Dampfmaschinen eingesetzt.

1888

Erster «Selbstfahrer» mit Dampfantrieb in den USA.

1908

Auch in Europa werden Getreidemäher gebaut.

Ab 1920

In Europa beginnt die Zeit des Getreidebinders. Bis zu sechs Binder wurden im Geleitzug von einem Schlepper über Ernteflächen gezogen.

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